Trockene Augen im Herbst: Was Bildschirm und Heizungsluft dem Tränenfilm antun

Brennende Augen schon am Nachmittag? Im Oktober treffen Bildschirmarbeit und Heizungsluft zusammen. Was der Tränenfilm leistet, was wirklich hilft und wann die Augenarztpraxis gefragt ist.

Trockene Augen im Herbst: Was Bildschirm und Heizungsluft dem Tränenfilm antun

Gegen halb fünf wird es im Homeoffice dämmrig, die Heizung springt zum ersten Mal in dieser Saison an, und irgendwo zwischen dem dritten Videocall und einer Tabelle, die einfach nicht aufgehen will, fühlen sich die Augen an, als hätte jemand eine Prise Sand hineingestreut. Sie blinzeln kräftig, reiben kurz, schauen weiter auf den Monitor. Das Brennen verschwindet nicht, es wird zur Hintergrundmusik des Nachmittags, und am Abend gesellt sich ein dumpfer Druck hinter der Stirn dazu. Mit bloßer Müdigkeit hat das nur zum Teil zu tun. Häufig steckt ein gestörter Tränenfilm dahinter, und der gerät im Oktober gleich von zwei Seiten unter Druck: durch den Bildschirm und durch die Heizungsluft.

Was der Tränenfilm den ganzen Tag leistet

Der Tränenfilm ist mehr als bloß Wasser auf dem Auge. Laut AOK hält er die Augenoberfläche glatt und geschmeidig, spült kleine Fremdkörper weg, schützt mit keimabtötenden Bestandteilen vor Infektionen und versorgt die Hornhaut mit Sauerstoff und Nährstoffen, denn die Hornhaut besitzt keine eigenen Blutgefäße und ist auf diese Zufuhr angewiesen. Seine äußere, ölige Schicht stammt aus den Meibom-Drüsen an den Lidkanten und bremst die Verdunstung der darunterliegenden Tränenflüssigkeit. Wird diese Schicht dünn oder reißt der Film zu früh auf, trocknet die Oberfläche stellenweise aus, und genau dann entstehen das Sandkorngefühl, das Brennen und die Lichtempfindlichkeit. Nicht selten tränen trockene Augen sogar, weil die Reizung zusätzliche Flüssigkeit auslöst, die den Film aber nicht stabilisiert. Wer nach einem langen Bildschirmtag nasse Augen und trotzdem ein Brennen hat, bildet also keinen Widerspruch, sondern ein ziemlich typisches Muster ab.

Warum gerade der Oktober den Augen zusetzt

Der Tränenfilm verliert im Herbst an zwei Fronten gleichzeitig.

Die erste Front ist der Bildschirm. Im Ruhezustand blinzeln wir nach Angaben von Augenärzten etwa 15- bis 20-mal pro Minute; bei konzentrierter Bildschirmarbeit sinkt dieser Wert häufig auf fünf bis sieben, und viele dieser Lidschläge sind unvollständig, das Lid schließt sich also gar nicht ganz. Jeder ausgelassene Lidschlag verteilt den Tränenfilm nicht neu, und die Oberfläche verdunstet schneller, als sie nachgeliefert wird. Der Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA) schreibt, dass rund 80 Prozent der Menschen, die täglich länger als drei Stunden am Rechner sitzen, über Beschwerden klagen, und die Hälfte davon über Probleme mit den Augen: Trockenheit, verschwommene Sicht, Kopfschmerzen, Lichtempfindlichkeit oder frühe abendliche Müdigkeit. Dafür hat sich der Name Office-Eye-Syndrom eingebürgert, bei Vielspielern spricht man auch vom Gamer Eye.

Die zweite Front kommt mit der Heizsaison. Der ständige Wechsel zwischen kalter Außenluft und warmen Innenräumen sowie die trockene Heizungsluft machen Horn- und Bindehaut zu schaffen, so der BVA, und wer ohnehin ein empfindliches Auge hat, spürt es besonders. Dazu kommt Zugluft, die der Augenoberfläche zusätzlich Feuchtigkeit entzieht. Das Gebläse im Auto, das direkt aufs Gesicht zielt, ist dafür ein Klassiker, Zigarettenrauch und Klimaanlagen gehören nach Angaben der AOK ebenfalls zu den häufigen Auslösern.

Naheliegend wäre nun, die Wohnung mit einem Luftbefeuchter auf Tropenniveau zu bringen. Das ist die schlechtere Idee, jedenfalls ohne Messgerät. Das Umweltbundesamt nennt eine relative Luftfeuchte von 40 bis 60 Prozent als Spanne, in der das Schimmelrisiko gering bleibt, und gibt für nicht oder schlecht gedämmte Wohnungen im Winter die Faustregel aus, dass der Wert im Normalfall unter 50 Prozent liegen sollte. Verzichten Sie auf einen Luftbefeuchter, solange Sie nicht wissen, wo Ihre Räume tatsächlich stehen; ein einfaches Hygrometer verrät es in Sekunden. Wasserschalen auf dem Heizkörper, wie sie der BVA erwähnt, schaden nicht, ersetzen aber das Lüften nicht.

Fünf Gewohnheiten, die auch an vollen Tagen funktionieren

Die folgende Liste ist bewusst nicht vollständig, denn jede Gewohnheit, die Sie nach drei Tagen wieder aufgeben, nützt Ihren Augen nichts. Diese fünf lassen sich an einen normalen Arbeitstag andocken:

  1. Vollständig blinzeln. Die AOK empfiehlt ein kleines Blinzeltraining: eine Minute lang ganz bewusst die Lider komplett schließen, zum Beispiel direkt nach einem Telefonat.
  2. Die 20-20-20-Regel. Alle 20 Minuten für 20 Sekunden auf etwas schauen, das mindestens 20 Fuß entfernt ist, also rund sechs Meter.
  3. Der Bildschirm steht nach Empfehlung des BVA 50 bis 80 Zentimeter von den Augen entfernt, nicht zu hoch und quer zu Fenster und Deckenlicht, damit sich möglichst wenig darin spiegelt.
  4. Stoßlüften statt Kippfenster. Mehrmals täglich das Fenster ganz öffnen und etwa fünf Minuten kräftig durchlüften, den Thermostat am Heizkörper währenddessen herunterdrehen.
  5. Genug trinken: Die AOK nennt mindestens zwei Liter am Tag, und der Freiburger Augenmediziner Thomas Reinhard weist darauf hin, dass ein dehydrierter Körper weniger Tränenflüssigkeit bildet.

Zur 20-20-20-Regel gehört eine ehrliche Einordnung. Die American Optometric Association und die American Academy of Ophthalmology empfehlen sie, und eine Interventionsstudie mit Erinnerungen über zwei Wochen fand weniger Symptome wie trockenes Auge und digitale Augenbelastung. Andere Untersuchungen konnten keinen klaren Vorteil zeigen, und große randomisierte Studien stehen laut Gelber Liste noch aus. Die Regel kostet nichts und birgt kein Risiko, deshalb sollten Sie sie trotzdem ausprobieren, aber ohne das Versprechen, dass danach alle Beschwerden verschwinden.

Wer häufig trockene Augen hat, trägt an Bildschirmtagen besser die Brille als Kontaktlinsen. Reinhard erklärt, dass Kontaktlinsen einen Teil der Feuchtigkeit von der Augenoberfläche aufnehmen können, während eine Brille die natürliche Tränenfilmbarriere erhält und vor Wind und Staub schützt. Eine entspiegelte Brille, die auf die Bildschirmdistanz abgestimmt ist, empfiehlt auch der BVA, vor allem bei Menschen, deren Augen sich schlecht auf wechselnde Entfernungen einstellen.

Eine Minute am Fenster

Die Augenpause lässt sich zu einem kleinen Ritual ausbauen, das nebenbei den Kopf sortiert. Stehen Sie auf, gehen Sie zum Fenster und suchen Sie sich den entferntesten Punkt, den Sie sehen können: eine Dachkante, die Krone der Linde auf der anderen Straßenseite, einen Kirchturm. Lassen Sie den Blick auf diesem Punkt ruhen, ohne ihn zu fixieren, nehmen Sie drei langsame Atemzüge und schließen Sie bei jedem Ausatmen die Lider vollständig. Die Atemzüge sind für den Kopf, der Fernblick ist für die Augen, und beides zusammen dauert kaum länger als die 20 Sekunden, die die Regel verlangt.

Am Abend, wenn der Bildschirm aus ist, lohnt sich eine zweite Gewohnheit. Ein mit warmem Wasser angefeuchtetes Tuch auf den geschlossenen Augen ist laut AOK eine wirksame Akutmaßnahme gegen trockene, brennende Augen; ein paar Minuten Liegenbleiben genügen. Wer mag, reinigt dabei die Lidkanten mit einem feuchten, lauwarmen Wattepad und massiert sie sanft, am Oberlid von oben nach unten und am Unterlid von unten nach oben, damit die Meibom-Drüsen ihr öliges Sekret abgeben können. Danach streichen Sie vom äußeren zum inneren Lidwinkel, damit überschüssiges Sekret über die Tränenkanälchen abfließt.

Wenn Lüften, Pausen und Tropfen nicht reichen

Künstliche Tränen gibt es rezeptfrei in der Apotheke, und sie lindern die Beschwerden meist rasch. Wer mehrmals täglich tropft, greift zu konservierungsmittelfreien Präparaten. Das Ocular Surface Center Berlin weist darauf hin, dass Konservierungsstoffe das Augengewebe vor allem bei häufiger Anwendung schädigen können, und dass die Krankenkassen die Mehrkosten für konservierungsmittelfreie Tropfen typischerweise nicht erstatten.

Bleiben die Beschwerden trotzdem bestehen, ist die augenärztliche Praxis der nächste Schritt, denn die Ursache liegt nicht immer in der Raumluft. Nach Angaben der AOK können Medikamente wie Psychopharmaka, Schlafmittel, Betablocker, Hormone oder Allergiemittel trockene Augen verursachen, ebenso Erkrankungen wie Diabetes, Schilddrüsenerkrankungen, Morbus Parkinson oder das Sjögren-Syndrom. Setzen Sie ein Medikament nie auf eigene Faust ab; die Ärztin oder der Arzt kann mit Ihnen besprechen, ob es eine Alternative gibt.

Trockene Augen sind lästig, aber kein Notfall. Anders sieht es bei Lichtblitzen aus, bei schwarzen Punkten in größerer Zahl, die wie ein Rußregen wirken, bei einem Schatten oder Vorhang im Gesichtsfeld oder bei Sehverlust auf einem Auge. Diese Zeichen können auf eine Netzhautablösung hinweisen, die nach Angaben von gesund.bund.de schmerzlos verläuft, ein Notfall ist und möglichst rasch behandelt werden muss, weil das betroffene Auge sonst erblinden kann. Warten Sie in diesem Fall nicht auf den regulären Termin in drei Wochen, sondern gehen Sie sofort in die Augenarztpraxis, außerhalb der Sprechzeiten in den augenärztlichen Notdienst oder die Notaufnahme.

Woche des Sehens: ein guter Anlass für den Augencheck

Vom 8. bis 15. Oktober findet 2026 zum 25. Mal die Woche des Sehens statt, eine bundesweite Aufklärungskampagne, die seit 2002 jedes Jahr im Oktober läuft. Zu ihr gehören der Welttag des Sehens, jeweils am zweiten Donnerstag im Oktober, 2026 also am 8. Oktober, und der Tag des weißen Stocks am 15. Oktober. Im Mittelpunkt stehen Blindheit, Sehbehinderung und Augengesundheit; die Weltgesundheitsorganisation beziffert die Zahl der Menschen mit Seheinschränkung weltweit auf rund 2,2 Milliarden.

Für alle, die im Herbst Auto fahren, hat der BVA einen praktischen Hinweis. Nasses Laub und die früh einsetzende Dämmerung machen die Jahreszeit tückisch, und zu Beginn der dunklen Saison lohnt sich ein Check, der über die reine Sehschärfe hinausgeht und auch Gesichtsfeld und Dämmerungssehen prüft. Als Richtwert nennt der Verband für Verkehrsteilnehmer ab 40 Jahren einen Termin alle fünf Jahre, ab 60 Jahren alle zwei Jahre. Wer in der Dämmerung schlecht sieht oder stark geblendet wird, lässt das abklären, statt es auf das Alter zu schieben, denn beides kann auch auf eine degenerative Netzhauterkrankung hindeuten, und bis zur Klärung bleibt das Auto bei schlechten Sichtverhältnissen besser stehen.

Ein Hinweis zu den Kosten: Die Früherkennung des Grünen Stars mit Augeninnendruckmessung ist ein IGeL-Angebot und wird von den gesetzlichen Krankenkassen ohne Verdacht auf eine Erkrankung in den meisten Fällen nicht bezahlt. Fragen Sie in der Praxis vorher nach dem Preis und lassen Sie sich erklären, was die Untersuchung in Ihrem Alter und mit Ihren Risikofaktoren leisten kann.

Am Montag, wenn die Heizung läuft und der Kalender voll ist, genügt für den Anfang ein Timer auf dem Handy, der alle 20 Minuten klingelt. Wenn er sich meldet: aufstehen, ans Fenster, den fernsten Punkt suchen, drei Atemzüge lang vollständig blinzeln.