Herbstimpfungen 2026: Was bei Grippe, Corona, RSV und Pneumokokken jetzt gilt

Seit Juli 2026 liegt die Altersgrenze für die jährliche Corona-Auffrischung bei 75, die Grippeimpfung bleibt ab 60 empfohlen. Was die STIKO für Grippe, Corona, RSV und Pneumokokken sagt und was sich an einem Termin kombinieren lässt.

Herbstimpfungen 2026: Was bei Grippe, Corona, RSV und Pneumokokken jetzt gilt

Wer 60 oder älter war, konnte sich in den vergangenen Jahren im Oktober Grippe- und Corona-Impfung am selben Tag abholen, denn beide waren für diese Altersgruppe empfohlen. Diese Selbstverständlichkeit gilt 2026 nicht mehr. Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat im Juli die Altersgrenze für die jährliche Corona-Auffrischung von 60 auf 75 Jahre angehoben, die Grippeimpfung bleibt ab 60 empfohlen, und für RSV und Pneumokokken gelten wieder eigene Regeln. Wer jetzt mit dem Impfpass in der Praxis steht, sollte deshalb wissen, welche Spritze tatsächlich auf der eigenen Liste steht. Die folgenden Angaben stützen sich auf die Seiten des Robert Koch-Instituts (RKI) mit Stand September und Oktober 2026. Sie ersetzen kein Gespräch mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, aber sie bereiten es gut vor.

Corona: Was sich im Juli 2026 geändert hat

Die größte Neuerung betrifft Corona, und sie hat sich in vielen Köpfen noch nicht festgesetzt. Die STIKO hat die frühere Empfehlung gestrichen, dass Erwachsene eine Basisimmunität aus mindestens drei Kontakten mit dem Virus aufbauen sollen, durch Impfung oder durch Infektion. Ihre Begründung: Nach Angaben des RKI verfügen mehr als 95 Prozent der Erwachsenen inzwischen über eine breite Immunität, und Krankenhausaufnahmen sowie Todesfälle sind seit dem Ende der Pandemie kontinuierlich zurückgegangen. Die jährliche Auffrischung im Spätsommer oder Frühherbst empfiehlt die STIKO nun für alle Menschen ab 75 Jahren und für alle, die ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf tragen. Dazu zählen chronische Erkrankungen der Atemwege wie COPD, Herz-Kreislauf-, Leber- und Nierenleiden, Diabetes, Adipositas, Demenz, aktive Krebserkrankungen und ein geschwächtes Immunsystem. Auch Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen, Schwangere mit Grunderkrankung oder Schwangerschaftskomplikationen ab dem zweiten Trimenon und bestimmtes medizinisches Personal stehen auf der Liste. Für gesunde Erwachsene unter 75 besteht dagegen regelhaft keine Indikation mehr.

Die Altersgrenze gilt allerdings nicht als Schranke für alle Jüngeren. Wer unsicher ist, ob er zur Risikogruppe gehört, etwa wegen Adipositas, einer Lungenerkrankung oder einer Therapie, die das Immunsystem dämpft, klärt das vor dem Termin, denn die Liste der Grunderkrankungen ist länger, als viele vermuten. Die Entscheidung fällt individuell nach ärztlicher Beratung, und zwischen der letzten Impfung oder einer nachgewiesenen Infektion und der neuen Dosis sollten möglichst sechs Monate liegen. Verwendet werden zugelassene mRNA- oder proteinbasierte Impfstoffe, die auf die Variante LP.8.1 oder XFG abgestimmt sind; das RKI erwartet, dass beide Varianten gleich gut vor schweren Verläufen schützen.

Grippeimpfung: Wer, womit und bis wann

Bei der Influenza bleibt vieles beim Alten. Die STIKO empfiehlt die jährliche Impfung diesen Gruppen:

  • allen Menschen ab 60 Jahren
  • Schwangeren ab dem zweiten Trimenon, bei einem Grundleiden schon ab dem ersten
  • Menschen mit chronischen Erkrankungen, zum Beispiel von Atemwegen, Herz, Leber oder Nieren, mit Diabetes oder eingeschränkter Immunabwehr
  • Bewohnern von Alten- und Pflegeheimen
  • Wer mit gefährdeten Menschen zusammenlebt oder sie betreut und sie anstecken könnte, ebenso medizinischem Personal und Beschäftigten mit viel Publikumsverkehr
  • weiteren Gruppen, etwa Menschen mit engem beruflichem Kontakt zu Geflügel oder Schweinen (die vollständige Liste führt das RKI)

Für alle ab 60 gilt zusätzlich eine Besonderheit beim Impfstoff: Die STIKO empfiehlt einen Hochdosis-Impfstoff oder einen MF59-adjuvantierten Impfstoff mit Wirkverstärker und bewertet beide als gleichwertig. Ein Hochdosis-Präparat wie Efluelda enthält pro Virusstamm 60 statt der üblichen 15 Mikrogramm Antigen, weil die Immunantwort im höheren Alter schwächer ausfällt. Der Vorsprung gegenüber dem Standardimpfstoff ist nach Angaben des RKI „geringfügig, aber signifikant“, also kein Quantensprung. Bei einer Krankheit, an der so viele Menschen erkranken, verhindert aber schon ein kleiner Vorsprung zusätzliche schwere Verläufe. Fragen Sie in der Praxis deshalb gezielt nach einem dieser beiden Impfstoffe. Die gesetzlichen Krankenkassen erstatten sie für alle Personen über 60, und nur wenn sie nicht lieferbar sind oder medizinisch nicht infrage kommen, zahlen sie auch die Standardvariante. Bei den verstärkten Impfstoffen treten Schmerz, Rötung und Schwellung an der Einstichstelle sowie gelegentlich Fieber oder Kopfschmerz etwas häufiger auf als beim Standardimpfstoff, sie klingen laut RKI meist nach wenigen Tagen von selbst ab.

Dass es überhaupt so viel zu erklären gibt, hat einen ernüchternden Hintergrund. In der Saison 2024/25 waren in Deutschland nur 34,5 Prozent der Menschen ab 60 gegen Influenza geimpft, bei den 60- bis 69-Jährigen sogar nur 25,3 Prozent. Das Ziel von WHO und EU liegt bei 75 Prozent.

Der richtige Zeitpunkt

Nach der Impfung dauert es 10 bis 14 Tage, bis der Schutz vollständig aufgebaut ist, und die Fallzahlen steigen in Deutschland meist schon ab Ende September, während die eigentliche Welle in den vergangenen Jahren oft erst nach dem Jahreswechsel ihren Höhepunkt erreichte. Das RKI nennt deshalb den Zeitraum von Oktober bis Mitte Dezember. Wer den Termin verpasst hat, ist trotzdem nicht zu spät dran, denn wie lange eine Welle dauert, lässt sich nie genau vorhersagen; in der Saison 2022/23 kam es im März sogar zu einer zweiten Welle durch eine andere Virusvariante. Einmal pro Saison reicht, ein zweites Mal ist nicht vorgesehen: Wer die Spritze schon im Betrieb bekommen hat, geht nicht noch einmal in die Praxis.

Gesunde unter 60 fallen nicht unter die allgemeine STIKO-Empfehlung, doch das RKI betont ausdrücklich, dass die Kommission von der Impfung auch nicht abrät. Fragen Sie bei Ihrer Krankenkasse nach, ob sie die Kosten übernimmt, und beim Arbeitgeber, ob es ein betriebliches Angebot gibt.

RSV und Pneumokokken: zwei Impfungen, die nur einmal anstehen

Beide Impfungen fallen im Herbst gern hinten runter, weil sie anders als die Grippeimpfung nicht jedes Jahr wiederkehren. Gegen das Respiratorische Synzytial-Virus empfiehlt die STIKO eine einmalige Impfung für alle ab 75 Jahren. Menschen zwischen 60 und 74 sollen sie erhalten, wenn sie eine schwere Form einer chronischen Erkrankung der Atemwege, des Herz-Kreislauf-Systems oder der Nieren haben, ebenso bei schweren neurologischen oder hämato-onkologischen Leiden, bei Diabetes mit Komplikationen, bei schwerer Immunschwäche oder wenn sie in einer Pflegeeinrichtung leben. Leichte oder gut eingestellte Verläufe zählen ausdrücklich nicht dazu, eine Einzelfallentscheidung nach ärztlicher Abwägung bleibt aber möglich. Zur Wahl stehen zwei proteinbasierte und ein mRNA-Impfstoff, und das RKI sieht sie als gleichwertig an. Die RSV-Saison dauert meist von Oktober bis März. Die Impfung vor Saisonbeginn ist sinnvoll, aber nicht zwingend, denn auch mitten in der Saison lohnt sie sich noch, weil der Schutz nach etwa 14 Tagen steht.

Wie groß der Nutzen ist, zeigen die Studien: Die proteinbasierten Impfstoffe senken das Risiko einer durch RSV bedingten Erkrankung der unteren Atemwege bei Menschen ab 60 um etwa 75 Prozent, für den mRNA-Impfstoff nennt die STIKO 84 Prozent. Eine US-amerikanische Auswertung im Fachjournal Lancet fand für schwere Verläufe wie Krankenhausaufenthalt, Intensivbehandlung oder Tod ein um etwa 80 Prozent geringeres Risiko. Gut verträglich sind die Impfstoffe im Allgemeinen, typisch sind Schmerzen an der Einstichstelle sowie Kopf- und Gliederschmerzen. In der US-Überwachung der proteinbasierten Präparate fiel allerdings ein erhöhtes Auftreten des Guillain-Barré-Syndroms auf, bis zu 25 Fälle pro eine Million Impfungen; verlässliche Schätzungen zur Höhe des Risikos gibt es nach Angaben des RKI noch nicht. Das gehört zur ehrlichen Abwägung, und Sie dürfen es in der Praxis ansprechen.

Die Pneumokokken-Impfung ist eine Standardimpfung für alle ab 60 Jahren, einmalig mit dem 20-valenten Konjugatimpfstoff PCV20, so die STIKO seit 2023. Das hängt direkt mit der Grippe zusammen: Bei Influenza-Erkrankungen kommt es gehäuft zu Sekundärinfektionen mit Pneumokokken, deshalb sollen Menschen, für die beide Impfungen empfohlen sind, auch beide erhalten. Wer in der Vergangenheit schon gegen Pneumokokken geimpft wurde, lässt den Impfstatus in der Praxis prüfen, statt auf Verdacht eine weitere Dosis zu verlangen.

Alles an einem Termin?

Und wenn gleich mehrere Impfungen anstehen, muss man dann dreimal in die Praxis? Meistens nicht. Laut RKI braucht es zwischen einer COVID-19-Impfung und anderen Totimpfstoffen keinen Abstand mehr, beide können am selben Tag verabreicht werden, jeweils an unterschiedlichen Gliedmaßen. Auch die Grippeimpfung darf am selben Tag wie ein proteinbasierter RSV-Impfstoff erfolgen, und die RSV-Impfstoffe lassen sich ebenfalls mit einem COVID-19-mRNA-Impfstoff kombinieren. Nur zwischen dem RSV-Impfstoff Abrysvo und einer Tetanus-Diphtherie-Keuchhusten-Impfung empfiehlt das RKI mindestens zwei Wochen Abstand, weil die Immunantwort auf die Keuchhustenanteile bei gleichzeitiger Gabe niedriger ausfiel.

Eine Einschränkung gehört dazu: Bei der gleichzeitigen Gabe von Corona- und Grippeimpfstoff können vorübergehende Impfreaktionen häufiger auftreten, darauf weist das RKI hin. Wer bei früheren Impfungen kräftig reagiert hat, sagt das vorher; ob zwei Termine im Abstand einiger Tage für ihn besser sind, entscheidet die Praxis. Hinzu kommt der Kalender, denn die Corona-Auffrischung soll nach Empfehlung der STIKO möglichst zu Beginn der Saison im Spätsommer oder Frühherbst erfolgen, die Grippeimpfung folgt erst im Herbst. Wenn die Corona-Impfung für Sie gilt und noch aussteht, verschieben Sie sie nicht weiter, und lassen Sie sich die Grippeimpfung gleich mitgeben, falls die Praxis sie vorrätig hat. Bei Fieber oder einer akuten, deutlichen Erkrankung wird eine Impfung in der Regel verschoben; ein leichter Schnupfen ist dagegen kein Hinderungsgrund.

Was in die Tasche gehört

Der Impfpass liegt bei vielen Menschen irgendwo zwischen Reisepass und Versicherungsunterlagen. Suchen Sie ihn heute Abend heraus und notieren Sie dazu das Datum Ihrer letzten Corona-Impfung oder Infektion, denn daran bemisst sich der Abstand von sechs Monaten. Die aktuelle Medikamentenliste gehört ebenfalls in die Tasche, damit die Ärztin sofort sieht, ob eine Therapie im Spiel ist, die das Immunsystem dämpft.